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Die Anfänge

Der tatsächliche Anfang des Deutschen Ordens fand im Grunde viel
früher statt als seine offizielle Bestätigung:

Ein Kaufmannsehepaar aus Lübeck erlebte 1099 die Eroberung
Jerusalems. Voll Mitleid zu den verwundeten Rittern gründeten
sie ein Hospital und ein Bethaus, welches unter dem Schutz der
Jungfrau Maria gestellt wurde. Es dauerte nicht lange, dass dieses
Haus den Namen „Hospital zu Sankt Marien der Deutschen in Je-
rusalem„ erhielt. Unterstellt war es damals dem Johanniterorden.
Während des 5. Kreuzzugs fand man von diesem Haus jedoch nur
noch Ruinen vor.

Als im Frühjahr 1190 das Kreuzfahrerheer Akkon belagerte waren
auch Kaufleute aus Lübeck und Bremen anwesend. Aus den Segeln
ihrer Schiffe bildeten sie ein provisorisches Lazaret. Der deutsche
Heerführer Friedrich von Schwaben war so beeindruckt von der Hilfe-
leistung, dass er sich ein Grundstück in Akkon für dieses Hospital zu-
weisen ließ. Nach dem alten Hospital wurde nun eine Neugründung
vorgenommen mit dem Namen „Orden des Hospitals zu Sankt Marien
der Deutschen in Jerusalem„. Als erster Prior wurde ein Kaplan Konrad
eingesetzt, von dem man nichts näheres weis. Unter dem erstem Meister
Sibrand wird der Orden bereits 1191 durch Papst Clemens III. als Hospital-
gemeinschaft bestätigt. Der 1193 folgende Meister Heinrich Walpot wollte
nun den Orden in einen Ritterorden umwandeln, da dieser mit einem
Grundstück in Akkon auch zur Stadtverteidigung verpflichtet war. Die
schnell wachsende Anzahl deutscher Ritter, welche nicht nur Pflege-
dienste leisten, sondern auch für den christlichen Glauben ins Feld
ziehen wollten, bestärkten den Wunsch Walpots. 1198 erhielt der
Orden schließlich durch die nachwirkende Unterstützung des 1197
verstorbenen Kaisers Heinrich VI. die Bestätigung als Ritterorden
durch Papst Innozenz III. Nun wurden auch die Ordensregeln ent-
worfen. Für die im Hospital dienenden Brüder galt die Johanniterregel,
für die Kapläne und kämpfende Einheiten dagegen die Templerregel.
Auch wurde der weiße Waffenrock und der weiße Mantel der Templer
übernommen, nur mit dem Unterschied, das ein schwarzes Balkenkreuz
das Zeichen war. Dennoch führte diese Kleidung zu jahrelangem Streit
mit dem Templerorden. Erst 1221 beendet ein Machtwort des Papstes
Honorius III. diesen Streit zugunsten des Deutschen Ordens.

Der erste Hauptsitz des Ordens war natürlich Akkon, obwohl schon bald
neue Besitztümer in Gaza, Jaffa, Ascalon und anderen Orten folgten. 1197
waren in Barletta und Palermo, den wichtigsten Kreuzfahrerhäfen, auch
die ersten Kommenden im Abendland entstanden.



1209 - Der Aufstieg beginnt

Der berühmteste Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von
Salza, wurde 1209 zum Führer des Ordens gewählt. Mit diesem her-
vorragenden Diplomaten, Strategen und weit in die Zukunft blickendem
Mann wuchs der bisher noch relativ kleine Ritterorden zu ungeahnter
Größe heran und wurde neben Johannitern und Templern einer der
bestimmenden Ritterorden des Hoch- und Spätmittelalters. Man kommt
nicht umhin, auf diese Persönlichkeit näher einzugehen.
Hermann wurde um 1179 im Raum Gotha geboren. Wohl auch darum
entwickelte sich gerade der thüringisch-hessische Raum zu einem Schwer-
punkt der Ordensbesitzungen. Hermanns eintritt in den Orden ist nicht
datierbar, erst mit seiner Wahl zum Hochmeister ist er belegt.
Während seiner Zeit als Hochmeister fällt die Ausweitungen der Ordens-
aktivitäten von Spanien bis Livland sowie 1224 die Verlegung des Haupt-
hauses in die neu errichtete Burg Monfort – die Starkenburg.
Die Situation des Königreichs Jerusalem war um 1200 denkbar schlecht,
bestand es doch nur noch aus einem kleinen Küstenstreifen. Hermann
hatte wohl schon früh erkannt, dass das Königreich nicht mehr lange
zu halten sei, daher sah er sich nach neuen Betätigungsfeldern für den
Orden um. Dies erfuhr König Andreas II. von Ungarn und bat 1211 den
Hochmeister, Ritter nach Siebenbürgen zu entsenden, in welchem die
Region des Burzenlandes ständig durch Angriffe des benachbarten
Heidenstammes der Kumanen zu leiden hatte. In Urkunden erfährt
man, dass der König dieses angeblich völlig unbewohnte Gebiet dem
Orden zu freiem Dauerbesitz übergab. In den nächsten Jahren folgten
weitere Urkunden und Privilegien für den Orden. Auf bitten der Ordens-
brüder erklärte der Papst 1224 das Burzenland zum Eigenbesitz der
Kirche und nahm es in päpstlichen Schutz. Nun könnte man denken,
das Land wäre dem Orden sicher, doch bereits 1225 besetzt Andreas II.
das Gebiet und vertrieb den Orden. Päpstliche und königliche Einigungs-
versuche zogen sich über Jahrzehnte hinweg. Letztlich erhielt der Orden
nur einige Burgen zurück. Der erste Versuch einen Ordensstaat zu Gründen
war gescheitert. Natürlich blieb das Unternehmen im Burzenland, genauso
wie später in Preußen, eine Nebenaktivität des Ordens, der bis zum Ende
des Kgr. Jerusalems hier seine Hauptaufgabe sah. Dort allerdings herrschte
seit dem Verlust der Stadt Jerusalem ein ziemliches Chaos. Nicht nur zwischen
den Seestädten Genua und Venedig, die im hl. Land wichtige Handelsver-
tretungen hatten, sondern auch zwischen den drei großen Orden herrschte
ständiger Streit. Zwischen Ersteren fanden regelrechte Seeschlachten statt,
während in den Straßen der provisorischen Hauptstadt Akkon sich Johanniter
und Templer, manchmal auch der Deutsche Orden, blutige Kämpfe lieferten.
Diese Uneinigkeit der Christen war natürlich ein großer Vorteil für die Muslime.
Trotz all dieser Missstände im hl. Land selbst, blieb Hermann v. Salza ein
hervorragender Politiker. Ständig vermittelte er zwischen Kaiser und Papst,
was große Anstrengungen erforderte. Da Hermann aber großen Respekt
beider Seiten genoss, war es ihm möglich, die Lage immer wieder zu ent-
spannen. Als Kaiser Friedrich II. allerdings wegen Krankheit 1227 zum vierten
Mal seinen Kreuzzug in das hl. Land verschob, belegte ihn Papst Gregor IX.
mit dem Kirchenbann. Dennoch unternahm Friedrich schließlich 1228, immer
noch mit dem Bann belegt, seinen Kreuzzug. Als er in Akkon eintraf, erwarteten
ihn dort nur die Ritter des Deutschen Ordens. Alle anderen, darunter auch der
Johanniter- sowie der Templerorden, mieden den gebannten Kaiser. 1229 er-
reichte dieser, allein durch Diplomatie, die Rückgabe Jerusalems und anderer
Städte. Natürlich war dies nicht im Sinne des Klerus, der darin ein paktieren
mit dem heidnischen Feind sah, den es doch zu bekämpfen galt. Vergeblich
versuchte Hermann eine Versöhnung herbeizuführen. Erst 1230 sprach der
Papst den Kaiser und nun auch König von Jerusalem vom Bann los. Dieser
Erfolg ist einzig Hermann v. Salza zuzuschreiben. Dennoch, bei dem Versuch
den Kaiser mit dessen Sohn Heinrich VII. zu versöhnen, scheiterte der
Hochmeister völlig.

Während die Kämpfe im heiligen Land weitergingen und nachdem der
Einsatz im Burzenland gescheitert war, sah sich Hermann weiterhin nach
neuen Einsatzorten für seinen Orden um. Dem polnischen Herzog Konrad v.
Masowien war das erfolgreiche wirken des Ordens im Burzenland bekannt
geworden und sah in einem Hilfegesuch die Möglichkeit, durch Hilfe des
Deutschen Ordens die ständigen Einfälle der heidnischen Prußen in sein
Land zu beenden. Diese Prußen lebten in einem waldigen und sumpfreichen
Land, welches sich von der Weichsel bis zur Memel, von der Ostsee bis zu
den masurischen Seen erstreckte. Dabei gab es den eigentlichen Namen
Prußen nicht, denn das Volk war in verschiedene Stämme unterteilt. Im
Gesamten aber nannten sie sich so. Jedes Volk hatte seinen Fürsten, den
Reik, auch jedes seinen Oberpriester, den Grive. Der Oberste Grive allerdings,
und damit heiligste Mann aller Prußen, lebte in dem allgemeinen Heiligtum,
dem Wald Twangste (heute steht dort die Stadt Kaliningrad). Vereinigten
sich die Fürsten und gab der Oberste Grive seinen Segen dazu, trat die
vereinigte Heeresmacht der Heiden als Prußen auf. Dies geschah öfters,
denn das eigentlich friedlich gesinnte Volk, durch Einfälle der Polen gereizt,
überfiel und plünderte das Grenzland Masowien ständig. Einmal sogar gelang
es den primitiv gerüsteten und bewaffneten Heiden, bis zur polnischen
Hauptstadt Krakau vorzurücken. Dies durfte nicht wieder geschehen und
natürlich lag dem Herzog einiges daran, dass seine Dörfer und Städte nicht
weiter Plünderungszügen des Heidenvolkes ausgesetzt waren. So versprach
er 1226 also dem Deutschen Orden, dass alles eroberte Gebiet diesem gehören
sollte. Um diesen noch mehr zu locken, gab er ihm das Kulmerland zu eigen,
das nördlichste Gebiet Masowiens, bewohnt von Prußen und Polen. Die
kaiserliche Schenkung Gesamtpreußens erfolgte noch im selben Jahr,
bekannt als Goldene Bulle von Rimini.
Nach einer Inspektion des Kulmerlandes traf 1230 eine größere Ritterschar
in Masowien ein. Der Ordensritter Hermann Balk wurde zum Landmeister
Preußens ernannt und war damit der Ranghöchste in diesem neuen Ordens-
besitz. Herzog Konrad überschrieb dem Orden das Kulmerland und die erste
Burg, Nessau, wurde mit dessen Hilfe am Weichselufer erbaut. Die Prußen
erkannten die Gefahr, vielen in das Kulmerland ein, verheerten es und
nahmen polnische Burgen in Besitz. 1231 stand nun das Heidenvolk
erstmals den Deutschen Rittern gegenüber. Die Ruine der Burg Turn
wurde als erste eingenommen und vom Orden mit dem neuen Namen
Thorn in Besitz genommen. Nach einigen weiteren kämpfen war das
Kulmerland wieder Feindfrei. 1232 rief Papst Gregor IX erstmals zum
Kreuzzug gegen die Prußen auf, woraufhin etwa 5.000 bewaffnete Pilger
sich auf den Weg machten. Unter ihnen waren viele, die dort eine neue
Heimat suchten. In den folgenden Jahren trafen immer mehr Kreuzfahrer
aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und England ein.

Es gilt zu beachten, dass der Deutsche Orden durchaus nicht der erste
Mönchsritterorden an der polnisch-prußischen Grenze war. Es gab bereits
einen kleinen polnischen Orden, welcher aus 13 Rittern bestand und seinen
Sitz in der Stadt Dobrin hatte. Diese nannten sich daher auch „Ritterbrüder
von Dobrin„. Natürlich konnte ein solch kleiner Ritterorden so gut wie nichts
gegen die heidnischen Horden entgegensetzen. Der große Deutsche Orden
übernahm ihn bereits 1234. Das selbe geschah 1237 mit dem livländischen Schwertbruderorden, der nach einer katastrophalen Niederlage nicht mehr
in der Lage war Livland zu schützen. Das Jahr 1239 brachte dem Orden
dann einen großen Schicksalsschlag: Nicht nur sein großer Hochmeister
Hermann v. Salza, sondern auch der in so vielen Unternehmungen erfol-
greiche Landmeister von Preußen, Hermann Balk, starben. So lange es
das Landmeisteramt in Preußen noch gab, konnte niemand mehr Balk
gleichkommen. Auch nur noch ein Hochmeister, Winrich v. Kniprode,
erlangte eine Größe, die mit der Hermann von Salzas fast gleichzusetzen ist.



Einfügung der letzten Jahre Jerusalems

Im Jahre 1260 wurde der ehemals zur Leibwache des Mamelukensultans
gehörende Rukn ed-Din Baibars Dundukdari, kurz Baibars, nach einem
Putsch zum Sultan ausgerufen. Mit ihm begann die fast gänzliche Ver-
nichtung der christlichen Kreuzfahrerstaaten. Über 10 Jahre fand fast
ununterbrochen der Eroberungszug der muslimischen Heere statt. Auch
das Haupthaus des Ordens, die Burg Montfort, fiel schließlich 1271 und
der Orden verlegte es daraufhin wieder nach Akkon.. Obwohl das
Königreich Mitte der 70er Jahre nur noch aus einem Küstenstreifen
bestand, konnte Baibars sein persönliches Ziel, den Kreuzfahrerstaat
zu vernichten, nicht erreichen, denn er starb 1277. Das Königreich
selbst aber bestand zu diesem Zeitpunkt nur noch aus Akkon, Tyros,
Sidon, Tripolis und einigen kleineren Orten.
Der 1283 zum Hochmeister gewählte Burchard von Schwanden schätzte
die kritische Lage des Königreiches durchaus realistisch ein. Ihm war klar,
dass bei einem größeren Angriff der Staat zugrunde gehen würde. So
begab er sich 1288 ins Reich und suchte den Deutschmeister Konrad
von Feuchtwangen auf, den er um Unterstützung bat. Angeblich sollen
beide zusammen mit etwa 6.000 Mann im Heilige Land angekommen
sein. Kurz nach deren Eintreffen hatte ein Nachfolger Baibars, der Sultan
Kalawan, eine Streitmacht von angeblich 240.000 Mann zusammengezogen
und griff nun die Hauptstadt Akkon an. Kurz vor dem Angriff der Muslims
trat aus unbekannten Gründen Burchard von seinem Amt als Hochmeister
zurück. Am 18. Mai 1292 erfolgte der Hauptsturm auf die Stadt und am
Abend war sie in der Hand der Feinde. Mit Schiffen konnten sich die
meisten Überlebenden nach Zypern retten. Von den vier in Akkon
kämpfenden Orden konnten sich nur sieben Johanniter und zehn
Templer retten. Von den Deutschrittern scheint nur der Deutschmeister
Konrad von Feuchtwangen entkommen zu sein. Von den leprösen
Lazarusrittern, welche ja nichts zu verlieren hatten, starben alle.
Nachdem als letztes sich auch die Stadt Tyros kampflos ergeben
hatte, blieb vom Königreich nur noch die den Templern gehörende
Inselfestung Ruad übrig, welche schließlich 1303 aufgegeben wurde.
Der nun vom Deutschmeister geführte Deutsche Ritterorden zog von
Zypern nach Venedig weiter, wo der Orden ein großes Haus besaß,
welches nun Ordenssitz wurde. Dort wurde Konrad zum Hochmeister
erwählt. Nach dem Ende des Königreichs Jerusalem verlegte sich nun
die Hauptaktivität des Ordens auf Preußen.



Der erste Aufstand in Preußen

Bis zum Jahre 1243 war es dem Deutschen Orden gelungen, die
prußischen Völker der Pomesanier, Sassen, Pogesanier, Warmier,
Barten und Natanger zu unterwerfen. Nur die Völker der Galinder
(Masuren), Sudauer, Nadrauer, Samländer und Schalauen waren
noch frei. Galindien (Masuren) und Sudauen wurden nie erobert.
Ersteres wurde durch die Ansiedlung deutscher Siedler, zweiteres
durch die polnischer Siedler infiltriert und dem jeweiligen Staat
zugeführt.
1241 führten prußische Reiks eine Unterredung mit dem Herzog
Swantopolk von Pommern und beschwerten sich bei diesem, einem
erklärten Feind des Ordens, über die schlechte Behandlung durch
die deutschen Ritter. Der Herzog empfahl nach einer erfolglosen
Unterredung mit dem Landmeister Heinrich von Wida den prußischen
Adligen, sich an den Papst zu wenden. Alarmiert informierte Heinrich
den Hochmeister Konrad von Thüringen über das Vorhaben der
Prußen, woraufhin dieser sofort nach Rom aufbrach....und verstarb.
In der Zwischenzeit hatte sich Herzog Swantopolk auch mit den
freien prußischen Fürsten verbündet und fing an die Handelswege
des Ordens auf der Weichsel zu unterbrechen. Die Prußen riefen
zur völligen Vertreibung der Deutschen auf und mordeten alles,
was Deutsch oder Christ war. Unzählige Dörfer, Städte und Burgen
wurden vernichtet. Insgesamt wird der Verlust nur an deutschen
Siedlern über 4.000 geschätzt. Fast 10 Jahre dauerte das Wüten
der Heiden und Swantopolks, bis der Orden schließlich in Herzog
Kasimir von Masowien, dem Sohn Konrads, einen Verbündeten
fand. Nach ersten Siegen in Pommern schlossen sich auch Fürst
Kasimir von Kujawien, Großherzog Przemislaw von Polen, Herzog
Boleslaw von Krakau und die Truppen eines päpstlichen Legaten
dem Orden an. Als die Truppen schließlich mitten in Pommern
standen, schlossen sich zuletzt auch die Brüder Swantopolks
dem Heer an. Der päpstliche Legat wurde nun von Swantopolk
um Vermittlung gebeten. Diesen Frieden von 1243 hielt der
Herzog nur einige Monate und bereits 1244 fiel er wieder in
das Kulmer Land ein. Erst nach einigen Friedensschlüssen,
die der pommersche Herzog immer wieder brach, wurde 1248
ein Friedensvertrag unterzeichnet der mehr als zehn Jahre hielt.
Der Kampf selbst war aber noch nicht beendet, denn schließlich
waren dort immer noch die aufständischen Prußen. Zusammen
mit dem Markgrafen Otto von Brandenburg gelang es dem
Landmeister, Pomesanien, Warmien, Natangen und Barten
wieder zu unterwerfen. 1249 wurde unter Vermittlung eines
päpstlichen Legaten der „Christburger Vertrag„ erstellt, in
welchem die Prußen als suveräne Vertragspartner angesehen
wurden und nicht als primitive Wilde. Die Prußen unterstellten
sich der Ordensherrschaft, versicherten ihren Heidengöttern
abzuschwören und dem Christentum beizutreten sowie Zehnt
und Heerestruppen zu entrichten. Dafür erhielten die Prußen
die soziale Gleichstellung mit den deutschen Siedlern, persönliche
Freiheit und Sicherheit ihres Besitzes zuerkannt. Sie durften
Eigentum erwerben und sogar in den geistlichen Stand eintreten.
Die Adligen konnten zu Rittern werden. Wer jedoch Heidenkult
betrieb, Verrat am Orden beging oder die Gebote Gottes missachtete,
sollte Leben oder Freiheit verlieren.
Dies alles hörte sich schön an, doch die letzte Klausel wird wohl für
einige Prußen schwierig gewesen sein, denn schließlich war das heilige
Feld Kurkelauk und das größte Heiligtum, der Wald Twangste mit dem
Obersten Grive, noch nicht in Ordensbesitz. Die Existenz der Heiligtümer
war für viele Prußen weiterhin der Beweis, dass das Christentum nicht
allmächtig war. Und auch der Einfluß des Obersten Grive war nicht zu
unterschätzen. Der Orden wusste also, was zur völligen Christianisierung
und Unterwerfung nötig war: Die Vernichtung der beiden Heiligtümer
und der Sturz des Obersten Grive.
Zunächst gelang es dem Orden auf friedliche Weise einige Bewohner
und Adlige des Samlandes, wo sich auch der heilige Wald befand, zum
Christentum zu bekehren. Ein folgender Heereszug im Winter 1253
wurde jedoch völlig aufgerieben und es erfolgte ein samländischer
Gegenschlag. Papst Alexander IV., vom Orden um Hilfe gebeten, rief
nun zum Kreuzzug gegen die Samen auf. Unter anderen Adligen traf
1254 König Ottokar II. von Böhmen in Preußen ein, wodurch das
Ordensheer mit seinen Verbündeten angeblich bis zu 60.000 Mann
stark wurde und der Feldzug begann. 1255 wurde das heilige Feld
Kurkelauk eingenommen und völlig vernichtet. Die Samen mussten
das Christentum annehmen oder wurden erschlagen. Schließlich
wurde der Wald Twangste erobert und eingeäschert. An seiner
Stelle ließ König Ottokar eine Burg bauen; Königsberg.



Der zweite Aufstand

Die Söhne der prußischen Adligen wurden nach Magdeburg gesendet
um dort die deutsche Sprache, Sitte und Waffengebrauch zu erlernen.
Sie erhielten christliche Namen und konnten sogar zu Rittern geschlagen
werden. Einer dieser Jünglinge war Herkus (Heinrich) Monte von Natangen,
welcher zum charismatischen Führer der Prußen im zweiten Aufstand
werden sollte.
1260 erlitt der Deutsche Orden bei dem Dorf Durben durch aufständische
Samaiten seine zweitgrößte Niederlage und wurde stark geschwächt.
Außerdem hatte er auch seinen Heerführer, den Ordensmarschall Heinrich
Botel, dort verloren. Daraufhin erhoben sich die Kuren und gingen gegen
den livländischen Ordensteil vor.
Herkus Monte, inzwischen nach Preußen zurückgekehrt und nun Reik
(Fürst) von Natangen, sah die Möglichkeit den Orden zu schlagen. Ihm
gelang es, für den Kampf auch die Reiks vom Samland, Warmien,
Pogesanien und Barten zu gewinnen. Nach der Abschwörung vom
Christentum und gesegnet durch den Obersten Grive, bildeten die
prußischen Stämme damit erstmals eine richtige Allianz. Die Kampf-
weise der Deutschen sowie Bau und Bedienung schweren Belagerungs-
gerätes wurde den Kriegern beigebracht, wie es die Reiks einst in
Magdeburg erlernt hatten. Diplomatische Beziehungen zu dem litauischen
Fürsten Mindowe und dem Russenfürst Alexander Newski wurden
aufgenommen.
Für den Orden brach der Aufstand völlig Überraschend aus. Ein zur
Niederwerfung entsendetes Heer wurde gänzlich vernichtet, genauso
wie ein großer Trupp französischer Kreuzfahrer im Samland. Die erste
Ordensburg die dem Feind in die Hände fiel war Rössel in Warmien,
die Weisenburg in Barten die Erste, die im Kampf fiel. Elbing war von
Flüchtlingen überfüllt und wurde belagert. Deshalb begannen zwei
Ordensritter mit Übergabeverhandlung, für welche sie später vom
Landmeister hingerichtet wurden. Als dies bekannt wurde, dachte
der Papst sogar über die Entlassung des Hochmeisters Anno von
Sangershausen nach, gab sich aber mit der Abdankung des Land-
meisters zufrieden.
Der Siegeszug der Prußen ging indessen weiter. Heilsberg, Braunsberg
und Bartenstein fielen. Trotz ständiger Kämpfe um Königsberg konnte
diese Burg jedoch nicht genommen werden. Herkus Monte selbst
marschierte 1263 im Kulmer Land ein und verwüstete es, wobei der
Orden fast seine gesamte Führungsspitze verlor. Die Burg Wartenberg
sowie die Städte Kulm und Thorn wurden niedergebrannt. Nachdem
jedoch die Barten bei Marienwerder eine große Niederlage erlitten
hatten, beschränkten sich die Angriffe auf kleinere Kämpfe mit den
Ordenstruppen. Erst als 1272 das Kreuzfahrerheer des Markgrafen
Dietrich von Meißen eintraf, entbrannten wieder schwere Kämpfe
und führten letztlich zum Sieg des Ordens. Herkus Monte wurde
zufällig in einem Versteck entdeckt und vom Komtur von Christburg
hingerichtet. Nachdem nun der Aufstand niedergeschlagen war, trat
der Christburger Vertrag in Kraft, nachdem jeder der den Orden
schädigen würde entweder die Freiheit oder das Leben verlor. Daher
wurde der neue Vertrag um so härter. Die Prußen verloren fast alle
Rechte gegenüber den deutschen Siedlern. Sie durften nur noch ihre
Dörfer verlassen, wenn sie zu Zwangsarbeiten des Ordens abberufen
wurden. Dies waren Wald- und Feldarbeit, Jagd- und Fischdienst sowie
Bau von Burgen. Durch hohe Abgaben wurde das Leben in einem
prußischen Dorf erbärmlich, wo es nur dem Kämmerer, einem vom
Orden eingesetzten prußischen Polizisten und Spitzel einigermaßen
gut erging. Zusammen mit dem Tolken, dem Dolmetscher, bildete er
die einzige Verbindung der Prußen mit dem Orden. Nur der Adel blieb
weiterhin von allen Zwängen befreit, war aber durchaus nicht mehr
dem deutschen Landadel gleichgestellt.

Marienburg
Mit der Niederschlagung des zweiten Prußenaufstandes war noch
lange nicht das Ordensland befriedet. Weiterhin gab es kleinere
kurze Aufstände einiger prußischer Landadligen und ihren Untertanen.
Für den Orden waren dies allerdings nur noch Mückenstiche.
Der Landmeister Konrad von Thierberg spürte nach der Niederschlagung,
dass ein herrschaftlicher, fester Sitz für den Landmeister benötigt wurde.
Es wurde ein Ort gesucht, welcher den Fluß Nogat beherrschen täte, um
hiermit eine Verbindung zu anderen wichtigen Burgen herzustellen sowie
aber auch ein Zeichen der Macht zu setzen.
1274 wurde mit dem Bau der Burg, welche der Jungfrau Maria geweiht
wurde und dadurch ihren Namen erhielt, begonnen. Bereits 1276 residierte
der erste Komtur der Marienburg in den fertiggestellten Teilen. Noch war
die Marienburg eine gewöhnliche Ordensburg, aber ihre Pracht und der
Baustil, die Stärke und Lage, zeichnete sie bereits vor allen anderen
Burgen aus.
Wohl auch durch die beginnende Verfolgung des Ritterordens der Templer
beeinflusst und gewarnt, verließ Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen
1309 den provisorischen Ordenssitz Venedig und verlegte den Hoch-
meistersitz in die Marienburg. Als dieser bestand sie 148 Jahre, bis 1457.
Preußen wurde nun, nach dem Verlust des Königreichs Jerusalem, neben
Spanien zu einem der wichtigsten Kreuzzugsländer der europäischen
Ritterschaft. Hauptsächlich wurde gegen das weiterhin nicht bezwungene
Prußenland Samaiten und dem mit diesem verbündete, ebenfalls heidnische
Fürstentum Litauen vorgegangen. Es galt in Europa als eine Auszeichnung,
mindestens an einem „Litauerzug„ teilgenommen zu haben. Dabei gingen
besonders die weltlichen Kreuzfahrer rücksichtslos vor; auch gegen bereits
befriedete Prußenstämme, so dass es immer wieder zu kleineren lokalen
Aufständen kam. Auch der Orden selbst wurde negativ beeinflusst. Das
Klerikale wurde immer mehr vernachlässigt und weltliche Lebensweise
breitete sich aus.



Tannenberg

Jagiello, Großfürfürst von Litauen, reiste 1386 nach Krakau um dort
die Königin Hedwig von Polen zu heiraten. Bedingung war der Übertritt
zum Christentum. So ließ sich der Großfürst taufen und erhielt den
christlichen Namen Wladislaw. Bei seiner Taufe versprach er, auch
die Samaiten und Litauer sowie alle anderen Völker unter seinem
Herrschaftsbereich das Christentum annehmen zu lassen, sowie
Litauen und Polen unter einer Krone zu vereinigen. Diese Versprechen
führte Jagiello (unter diesem Namen ist er eher bekannt), auch
konsequent durch. Durch die Christianisierung der Samaiten und
Litauer war jedoch dem Orden im Grunde das Recht an Kriegszügen
gegen diese Völker genommen. Dessen ungeachtet wurden immer
wieder Angriffe durchgeführt. Sogar gegen die Hauptstadt Litauens
selbst, Wilna, wurde vorgegangen. Als Konrad von Jungingen 1393
Hochmeister wurde, wollte dieser allerdings den Frieden bewahren.
Ein Jahr später wurde Wilna wieder erfolglos belagert, da angeblich
aus Litauen entsandte Truppen, christliche Ritter töteten. Das es
deshalb nicht zu größeren Ausschreitungen zwischen dem Königreich
Polen-Litauen und dem Ordensstaat kam, war Königin Hedwig zu
verdanken, die unermüdlich friedenerhaltend wirkte. Doch 1399
starb die Königin. Der von König Jagiello entsandte Bischof von
Leslau erklärte nun 1401 den Ordensgebietigern, das der Herrscher
auch weiterhin in Frieden und Freundschaft mit dem Ordensstaat
zusammen leben wolle. Dies bezweifelte der Hochmeister und
Kriegsreisen nach Litauen wurden fortgesetzt, da die Samaiten
wieder plündernd in Preußen eingefallen waren. Erst diplomatische
Verhandlungen zwischen dem König, dem Hochmeister und Großfürst
Witold von Litauen führten zu einem „immerwährenden Frieden„;
doch schon 1407 starb der Hochmeister. Daraufhin wurde dessen
Bruder Ulrich zu seinem Nachfolger bestimmt und erhielt dazu die
Glückwünsche des polnischen Königs.
Unter einem Vorwand griffen 1409 litauisch-samaitische Truppen
die Burg Ragnit an und Großfürst Witold kündigte an, die Deutschen
aus Königsberg zu vertreiben und gänzlich zu vernichten. Der
Hochmeister setzte König Jagiello davon in Kenntnis, erhielt jedoch
nur die Antwort, dass Witold mit dem König Blutsverwandt und ein
Vasall sei, er also diesen bei Bedrängnis mit all seiner Macht unter-
stützen würde. Darauf antwortete der Hochmeister mit einer offiziellen
Kriegserklärung an Litauen und Polen. Sofort marschierten die Ordens-
truppen in Polen ein und eroberten einige Städte. Mit einer unoffiziellen
Erklärung wurde dem Orden das eroberte Land zuerkannt und ein
Waffenstillstand ausgerufen. Beide Seiten rüsteten allerdings weiter
auf und nach Ende des Waffenstillstands marschierte der Orden
erneut in Polen ein. Es bestand aus 50.000 Mann aus Preußen
selbst und europäischen Rittern aus verschiedenen Ländern sowie
aus 33.000 Söldnern. Insgesamt waren vom Heer 26.000 beritten.
Die polnischen Truppen welche sich in Plozk sammelten waren 60.000
Mann stark, dazu kamen 44.000 Litauer, Samaiten und Russen sowie
40.000 heidnische Tataren. Des weiteren etwa 21.000 Söldner; 66.000
Mann waren beritten. Insgesamt bestanden die Truppen der polnischen
Allianz aus 163.000 Mann, während die des Ordens nur 83.000 zählten.
Hochmeister Ulrich von Jungingen suchte die Entscheidungsschlacht,
doch das polnische Heer wich immer wieder aus. Schließlich gelang es
dem Orden doch, zwischen den Dörfern Tannenberg und Grunwald die
Truppen des polnischen Königs zu stellen. Lange verharrten die Gegner
in Stillstand. Während das polnische Heer im schützenden Schatten eines
Wäldchens lagerte, harrten die Ordenstruppen unter sengender Sonne
auf dem Feld aus. Da der Hochmeister den polnischen König nach dieser
Wartezeit als Feigling ansah, sandte er ihm zwei Schwerter zur nach-
drücklichen Aufforderung zur Schlacht. Diese Geste war beleidigend,
kümmerte aber den Strategen Jagiello nicht. Er wartete bis die Sonne
den Ordenstruppen in das Gesicht schien. Dann erst sandte er die
berittenen, leichten Tatarenbogenschützen aus, die aber bei den
gepanzerten Rittern wenig Erfolg hatten und fast gänzlich durch
die Armbrustschützen des Ordens niedergemacht wurden. Nach
dieser Niederlage wurden die litauischen und russischen Truppen
ins Feld geschickt. Ungeachtet der vor ihnen stehenden Armbrust-
schützen ritten auf Befehl des Hochmeisters die schwere Reiterei
des Ordens und der europäischen Ritter diese nieder und warfen
sich auf den Feind. Die litauischen Truppen flüchteten und wurden
von dem Ordensmarschall verfolgt. Dies riß die linke Flanke der
Ordenstruppen auseinander und führte schließlich nur zur
Aufreibung der Männer des Marschalls. Nun, unter Führung
des Hochmeisters selbst, wurde die schwere polnische Reiterei
angegriffen. Dabei gelang es den Rittern dem polnischen König
so nahe zu kommen, dass die polnische Fahne in die Hände des
Ordens viel. Nach ritterlichen Grundsätzen wäre damit die Schlacht
entschieden gewesen, deshalb stiegen die Ordensritter von ihren
Rössern und sangen ihre „Nationalhymne„ „Christ ist erstanden„.
Da schlug Jagiello mit persönlichem Einsatz zu. Dennoch wehrten
sich die deutschen Ritter noch sehr. Als aber die Ordensfahne durch
Verrat gesenkt wurde und damit andeutete, dass der Hochmeister
gefallen war, flüchteten die meisten europäischen Ritter und Vasallen
des Ordens. Die auf dem Schlachtfeld verbliebenen Ordensritter
wehrten sich dennoch gegen die nun deutliche Übermacht weiter
bis der Hochmeister tatsächlich gefallen war. Erst da zogen auch
diese sich zurück. Die nicht zum Einsatz gebrachten Fußtruppen
des Ordens wurden fast gänzlich bei der Flucht niedergemacht.
Die Nacht senkte sich über insgesamt etwa 100.000 Tote, davon
60.000 Mann der polnischen Allianz und 40.000 Kriegern des
Ordensheeres. 15.000 Kämpfer des Ordens gerieten in Gefangen-
schaft. Für die es kein Lösegeld gab, Ordensritter, Vasallen oder
Söldner, bedeutete dies ebenfalls den Tod. Die Leiche des Hoch-
meisters wurde geborgen und feierlich zur Marienburg gesendet.
Die Burg wurde von dem Komtur von Schwetz, Heinrich von
Plauen, gehalten.



Nachspiel

Viele durch das Land irrende Ritter, Vasallen und Söldner schlossen
sich Heinrich von Plauen an, so dass er die Besatzung der Burg auf
5.000 Mann erhöhen konnte. Als elf Tage nach der Schlacht das
polnische Heer gegen die Marienburg vorging, erhielt es einen
unerwartet starken Widerstand. Dazu durch Seuchen geschwächt,
zog das Heer wieder ab. Dennoch konnten Stuhm, Elbing und
Danzig eingenommen werden, die allerdings relativ schnell zurück
erobert wurden. Anfang November wurde Heinrich zum Hochmeister
gewählt und 1411 fanden nahe Thorn Friedensverhandlungen statt.
Dabei wurde vereinbart, dass alle Truppen in die Heimatländer
zurückkehren sollten und das der Orden jeden Besitz vor dem
Kriege behalten dürfte. Nur Samaiten würde während der
Lebenszeit des Königs Jagiello und des Großfürsten Witold
abgetreten. Danach sollte es dem Orden wieder zufallen.
Dazu kam ein Passus der immerwährenden Frieden zwischen
Polen und dem Ordensstaat garantierte.
In den nächsten Jahren musste Heinrich einige Verschwörungen
im Ordensland niederschlagen. Besonders die Bruderschaft der
„Eidechsengemeinschaft„, hauptsächlich aus Rittern bestehend,
die dem Orden als Vasallen untertan waren, machte Schwierigkeiten.
In der Furcht, Polen würde diesen Aufrührern zu Hilfe kommen wollen,
ließ der erkrankte Hochmeister den Ordensmarschall Micheal
Küchmeister von Sternberg gegen Polen marschieren. Dieser
stoppte allerdings das Heer vor der polnischen Grenze, da er
nicht als Friedensbrecher angesehen werden wollte. Als daraufhin
der erboste Hochmeister einen Kapiteltag aufrief, hatte Küchmeister
schon längst dessen Absetzung geplant und auch Unterstützung
durch den Deutschmeister erhalten. Da auch viele Ritter hinter ihm
standen, gelang es Küchmeister den Verteidiger der Marienburg
abzusetzen und als Komtur der Engelsburg abzuschieben. Natürlich
wurde Küchmeister zum Nachfolger gewählt. Die Ahnungen Heinrichs
von Plauen traten dennoch ein, denn 1414 marschierten polnische
Truppen in Preußen ein. Der neue Hochmeister sandte vergeblich
Hilferufe an König, Papst, Deutschmeister und Hanse. Ganz Ermland
wurde besetzt. In Guttstadt begangen die heidnischen Truppen der
Polen unvorstellbare Greueltaten. Sie schnitten den Frauen die Brüste,
den Männern das Geschlecht ab, verbrannten Kirchen und Heiligtümer.
Sogar Kinder wurden aufgespießt oder zertreten. Priester wurden vor
dem Altar erstochen und die Leichen geschändet. Versuche des polnischen
Adels, die heidnischen Tataren davon zurück zu halten, waren vergebens.
Ja, sie begaben sich damit sogar selbst in Gefahr. Erst 1417 gelang es
Küchmeister, den Frieden wieder herzustellen, der jedoch durch im
Ordensland verbliebene polnische Söldner oft genug gestört wurde.



Anfang vom Ende

Michael Küchmeisters Hochmeisteramt war, neben den Unruhen im
Ordensstaat, hauptsächlich von Friedensverhandlungen geprägt, bei
denen letztendlich nicht nur Samaiten sondern auch viel Geld verloren
ging. Er legte aus Krankheitsgründen sein Amt 1422 nieder und starb
zwei Jahre später. Sein Nachfolger Paul von Rusdorf wurde sofort mit
einem Angriff von Polen und Litauern unter Großfürst Witold konfrontiert,
der sich nach Raub und Plünderungen erst 1427 wieder zurück zog.
Als 1435 ein Zerwürfnis zwischen Hochmeister und Deutschmeister
eintrat, geschah es erstmals, dass ein Staatsoberhaupt, nämlich Kaiser
Sigismund I., über die Auflösung des Ordens nachdachte. Denn er sah
auch, dass mit der Türkengefahr die Ungläubigen viel näher waren als
in der Gegend um Preußen. Nur sein Tod 1437 rettete schließlich den
Orden. Der Streit der beiden höchsten Männer des Ordens ging dennoch
weiter, bis schließlich 1439 der Deutschmeister den Hochmeister als
abgesetzt erklärte, der seinerseits den Deutschmeister seines Amtes
enthob. Während dieser unnützen Streitereien vergaß man völlig das
Volk, so dass die Städte Kulm und Thorn sich zusammenschlossen,
um sich in einem Städtebund gegen die Ordensherrschaft zu erheben.



Der Städtebund

Der Hochmeister, welcher als seniler Greis galt, erfuhr zwar sofort
von dem Städtebund, war aber absolut nicht mehr Herr der Lage
und dachte, auch wegen der Streitereien mit dem Deutschmeister,
an seinen Rücktritt. Völlige Fehlentscheidungen reizten das sowieso
schon aufgebrachte Volk noch mehr. Es herrschte Inflation; Eingriffe
in das Stadtrecht und Belästigungen von Frauen durch Deutschritter
wurden Alltag. Weitere Städte schlossen sich, darunter alle sechs
Hansestädte, dem „Bund gegen Gewalt„, wie sie sich nannten an.
Selbst drei Ordenskonvente, aufgestachelt durch den Deutschmeister,
schlossen sich den Rebellen an. Die Zentrale des Bundes befand sich
in Thorn, wo auch der Plan der totalen Vernichtung der Ordensherrschaft
gegründet wurde. Von dort ging auch eine Gesandtschaft nach Polen ab,
welche dem polnischen König die Herrschaft über Preußen anbot. So zog
König Kasimir IV. von Polen als Befreier bejubelt 1454 in Thorn ein. Erst
durch einen großen Sieg des Ordens bei Konitz kehrte wieder Ruhe im
Land ein, dennoch waren Thorn, Danzig, Kulm und Braunsberg an Polen
verloren. Diese Bürger erlebten allerdings bald, dass es unter polnischer
Herrschaft auch nicht besser war.



Bürgeraufstand

Da der Städtebund selbst 1452 bereits vom Papst gebannt worden
war, der König von Polen nun auch noch eine katastrophale Niederlage
bei Konitz erlitten hatte, wurde dieser und die Führung des Städtebundes
von Papst und Kaiser in Bann und Acht gelegt. Nun herrschte das totale
Chaos, konnten doch nun unbezahlte Ordenssöldner ohne Furcht auf
Strafe jeden Bürger der in Acht befindlichen Städte ausplündern. Selbst
der Deutschmeister kündigte 1457 auf dem Reichstag in Nürnberg das
Ende des Ordenslandes an. Man versprach Hilfe, die aber nie erfolgte.
Kurz darauf wurde von einem Söldnerhauptmann die Marienburg an
polnische Truppen übergeben und dem Hochmeister Ludwig von
Erlichshausen befohlen, die Burg zu verlassen und wurde daraufhin
nach Schwetz verschleppt, von wo er aber entkam und nach Königsberg
flüchtete. So wurde dieser Ort wiederum, wie einst bei den Heiden,
das letzte Machtzentrum.
Während in Thorn und Danzig Anarchie sowie in Pommerellen Krieg
herrschte und überall die schlimmsten Übergriffe von Söldnern und
Tataren stattfanden, brach dazu noch 1464 die Pest in Danzig aus.
1466 wurde endlich wieder ein Frieden geschlossen, bei dem der
Orden das gesamte Kulmer Land und Pomerellen abtreten musste.
Der Rest des Landes wurde dem Orden für alle Ewigkeit zugedacht.
Die Hochmeister sollten allerdings zukünftig immer sich zum polnischen
König begeben und dort Eid und Treue geloben. Im Reichsrat Polens
sollte er seinen Platz erhalten. Einige Monate nach dem Friedensschluß
starb der Hochmeister, genau so wie auch Krieg und Städtebund.



Endspiel

Hochmeister Heinrich Reffle von Richtenberg war der erste Ordensführer,
der dem vom Papst gebannten König Kasimir IV. den Huldigungseid
verweigerte, woraufhin dieser in Preußen einmarschierte. Nach einigen
Niederlagen musste dieser Hochmeister dann doch sein Knie beugen.
Er war der Erste Hochmeister, der den Huldigungseid verweigert hatte.
Seine Nachfolger folgten diesem Beispiel. Erst der polnische König
Sigismund I. beschwerte sich 1506 über diese Weigerungen, und Papst
Julius II. forderte daraufhin den amtierenden Hochmeister auf, seinen
Pflichten nachzukommen. Doch im Reichstag zu Worms bekräftigte der
Hochmeister seine verweigernde Haltung, indem er verkündete, dass
damit Preußen aufhöre zum Reich zu gehören.



Albrecht von Brandenburg

1511 wurde Albrecht von Brandenburg Hochmeister des Ordens
unter unnormalen Umständen. Am selben Tage wurde er zum Ritter
geschlagen, in den Orden aufgenommen und zum Hochmeister gewählt.
Niemals zuvor hatte es dies gegeben. Der neue Hochmeister war jedoch
in einer schweren Lage. Es war deutlich zu sehen, das Kaiser Maximilian I.
nicht mehr willens war, den Orden in irgendeiner Weise zu unterstützen.
Die Türken galt es eher aufzuhalten als den Zwist zwischen Ordensstaat
und Polen durch zusätzliche Truppen zu verstärken. Der allmächtige
Kaiser Karl V. wollte von dem Orden sogar überhaupt nichts mehr hören.
Dem König Sigismund von Polen war diese schlechte Lage des Ordens
natürlich bekannt. So marschierte er 1519 in Thorn ein und verkündete,
die letzen Überbleibsel des Ordens vertilgen zu wollen. Der Absagebrief
des Hochmeisters erfolgte sofort. 1520 begannen offen die Kriegs-
handlungen, wobei der König einige Städte schnell einnehmen konnte
und Pomesanien sowie Natangen überrannte. Ein Jahr später wurde
ein Waffenstillstand ausgerufen, der auch nichts anderes bedeutete.
Jedenfalls war nun zunächst wieder Ruhe eingekehrt und der Hoch-
meister begann einige Reisen um Unterstützung zu unterhalten. Dabei
traf er auch 1523 auf Martin Luther, der ihm riet die falschen Ordens-
regeln beiseite zu schieben, eine Frau zu nehmen und Preußen in ein
weltliches Herzogtum umzuwandeln. Fast gleichzeitig verlangte der
Deutschmeister die alleinige Macht im Reich. Damit aber währe der
Hochmeister einzig nur noch, wie früher bei den Anfängen, ein
Landmeister Preußens. Dieser Streit schwelte vor sich hin.
1525 begannen endlich in Krakau die Friedensverhandlungen,
bei denen der König allerdings Krieg, ewigen Frieden oder Lehen
als einziges zuließ. Der Hochmeister, von seinem Amt nicht mehr
überzeugt und mutlos, nahm den Herzogstitel und den Lehnseid an.
Lutheraner wurde er ebenfalls. Nochmals wurde er, diesmal vom
polnischen König, kniend zum Ritter geschlagen. Noch von Krakau
aus verkündete der nun frohe ehemalige Hochmeister, jetzt aber
Albrecht Herzog von Preußen, die Umwandlung des Ordensstaates
in ein weltliches Herzogtum. Umjubelt kehrte er nach Königsberg
zurück.



Übersicht auf die Zukunft nach 1525

296 Jahre nach dem ersten Wirken des Ordens in Preußen war
damit sein Ende erreicht.
Die Folge davon waren der Abmarsch der Ritter ins Reich und
unzählige Selbstmorde ordenstreuer Vasallen, die den Grundstock
ihres Lebens entrissen sahen. Ebenfalls war es nun auch möglich,
höherwertige Adelstitel zu erhalten. Grafen verdrängten in den
nächsten Jahrhunderten die ehemals dem Orden vasallenpflichtigen
Freiherren und Ritter, die entweder zu normalen Gutsherren
verkümmerten oder auch den Grafentitel erhalten konnten. Für
die Ordensritter wurde nun das Reich der Hauptort. In Bad
Mergentheim residierten die neuen, in einem Amt zusammengefassten
Hoch- und Deutschmeister. Nachdem Kaiser Sigismund fast soweit war,
den Orden zu verbieten, vollführte dies erstmals Napoleon I. Das zweite
Verbot erfolgte durch Adolf Hitler. Lange Zeit fast schon Familienbesitz
der Habsburger, wandelte sich 1923 mit dem Verzicht des letzten
habsburgischen Hochmeisters der Deutsche Ritterorden in einen
geistlichen Orden. Der Krieg brachte für den Orden erneuten Land-
verlust im Osten, obwohl er nicht daran beteiligt war. Es reichte
Deutsch zu heißen oder, wie im Falle des souveränen Staates
Lichtenstein, nur deutsch zu sprechen, um als Schuldige zu gelten
und Enteignungen hinnehmen zu müssen. Heute ist der Hoch-
und Deutschmeister bei der Wahl des Papstes ebenso wie der
Großmeister des Malteserordens anwesend. Der Orden führt
nur noch karikative Zwecke durch und ernennt Ehrenritter,
welche zu humanitären Leistungen verpflichtet sind.



Hochmeister vom Anfang bis 1525

Heinrich Walpot 1198 – 1200?
Otto v. Kerpen 1200? – 1209
Heinrich Bart 1209
Hermann v. Salza 1209-1239
Konrad v. Thüringen 1239/40
Gerhard v. Malberg 1240 – 1244
Heinrich v. Hohenlohe 1244 – 1249
Günther v. Wüllersleben 1249 – 1252
Poppo v. Osterna 1252 – 1256
Anno v. Sangershausen 1256 – 1273
Hartmann v. Heldrungen 1273 – 1283
Burchard v. Schwanden 1283 – 1290
Konrad v. Feuchtwangen 1291 – 1296
Gottfried v. Hohenlohe 1297 – 1303
Siegfried v. Feuchtwangen 1303 – 1311
Karl v. Trier 1311 – 1324
Werner v. Orselen 1324 – 1330
Luther v. Braunschweig 1331 – 1335
Dietrich v. Altenburg 1335 – 1341
Ludolf König 1342 – 1345
Heinrich Dusemer 1345 – 1351
Winrich v. Kniprode 1352 – 1382
Konrad Zöllner v. Rotenstein 1382 – 1390
Konrad v. Wallenrode 1391 – 1393
Konrad v. Jungingen 1393 – 1407
Ulrich v. Jungingen 1407 – 1410
Heinrich v. Plauen 1410 – 1413
Michael Küchmeister 1414 – 1422
Paul v. Rusdorf 1422 – 1441
Konrad v. Erlichshausen 1441 – 1449
Ludwig v. Erlichshausen 1450 – 1467
Heinrich Reuß v. Plauen 1469/70
Heinrich Reffle v. Richtenberg 1470 – 1477
Martin Truchseß v. Wetzhausen 1477 – 1489
Johann v. Tiefen 1489 – 1497
Friedrich v. Sachsen 1498 – 1510
Albrecht v. Brandenburg-Ansbach 1511 – 1525
...


Deutschmeister vom Anfang bis 1525

Hermann Balk 1219? – 1230
Heinrich v. Hohenlohe 1231 – 1242
Berthold v. Tannenrode 1243? – 1245
Albert v. Bastheim 1247/48
Albrecht v. Hallinberg 1248 – 1251?
Eberhard v. Sayn 1251 – 1254
Dietrich v. Grüningen 1254 – 1256
Konrad v. Nürnberg 1257 – 1264
Werner v. Battenberg 1271? – 1273?
Gebhard Graf v. Hirschberg 1273 – 1277?
Mathias 1281? – 1283
Konrad v. Feuchtwangen 1284 – 1290
Gottfried v. Hohenlohe 1294 – 1297
Johann v. Nesselrode 1297/98
Siegfried v. Feuchtwangen 1298 – 1303?
Winrich v. Bosweil 1303/04?
Eberhard v. Sulzberg 1305 – 1323
Konrad v. Gundelfingen 1323 – 1329
Zürich v. Stetten 1329/30
Wolfram Graf v. Nellenburg 1330 – 1361
Philipp v. Bickenbach 1361 – 1375
Gottfried Graf v. Hanau 1375
Johann v. Heyn 1376 – 1379
Konrad v. Rüdt 1379 – 1382
Siegfried v. Venningen 1382 – 1393
Johann v. Ketze 1393 – 1396
Konrad v. Egloffstein 1396 – 1416
Dietrich v. Wintershausen 1417 – 1420
Eberhard v. Seinsheim 1420 – 1443
Eberhard v. Stetten 1443 – 1447
Jost v. Venningen 1447 – 1454
Ulrich v. Leutersheim 1454 – 1479
Reinhard v. Neipperg 1480 – 1489
Andreas v. Grumbach 1489 – 1499
Hartmann v. Stockheim 1499 – 1510
Johann Adelmann v. Adelmannsfelden 1510 – 1515
Dietrich v. Cleen 1515 – 1526 Danach Hoch- und Deutschmeister
...


Literaturverzeichnis

Arnold, Prof. Dr. Udo: „Die Hochmeister des Deutschen Ordens
1190 – 1994“,

Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens
Band 40, N.G. Elwert Verlag Marburg1998, ISBN 3-7708-1104-6

Bitter, Christoph : „Der Deutsche Orden – Seine Anfänge in Preußen
bis zum Bau der Marienburg„, IG-Orden Seminar 21. – 23.03.03
Oberhausen,

Bonn 2003 Eichendorf, Joseph von: „Die Marienburg„
Verlag der Eiserne Hammer Karl Robert Langewiesche, Königstein i.
Taunus/Leipzig 1942

Kurowski, Franz: „Der Deutsche Orden – 800 Jahre ritterliche Gemeinschaft„,
Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-27-9

Sonthofen, Wolfgang: „800 Jahre Geschichte – Der Deutsche Orden„,
Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-713-2

Wienand, Adam: „Der Johanniterorden/Der Malteserorden –
Der ritterliche Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem„,
Wienand Verlag, Köln 1988, ISBN 3-87909-163-3

Zimmerling, Dieter: „Der Deutsche Ritterorden„, Droemersche
Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1990, ISBN 3-426-04062-X

Mit besonderem Dank an Franz Kurowski

Christoph Bitter




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