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Hexenverfolgungen fanden fast ausschließlich in Mitteleuropa während der Frühen Neuzeit statt. Grundlage für die massenhafte Verfolgung von Frauen (teilweise auch Kindern und Männern) durch die kirchliche und vor allem die weltliche Justiz war die von Theologen und Juristen verbreitete Vorstellung von einer vom Teufel geleiteten Verschwörung gegen das Christentum, deren meist weibliche Mitglieder man schließlich Hexen nannte. Einzelne Fälle von Prozessen gegen magieverdächtige Menschen sind dagegen fast weltweit und aus vielen Zeiten bekannt. Die ersten Belege für den deutschen Begriff Hexe finden sich, wie Oliver Landolt zeigen konnte, in den Frevelbüchern der Stadt Schaffhausen aus dem späten 14. Jahrhundert (1368/87). In Luzern erscheint der Begriff erstmals 1402. Auch das Alte Testament, kennt Zauberer und ordnet ihre Bestrafung an: „Den Zauberer sollst du nicht leben lassen.“ (Exodus 22,17). Diese eigentlich sowohl männliche als auch weibliche Sichtweise wurde dann durch die Übersetzung des Alten Testaments durch Martin Luther in "Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen" auf die, grammatikalisch richtige, weibliche Richtung gebracht. „Hexen“ im Sinne der Frühen Neuzeit kennt die Bibel aber nicht, was die Hexentheoretiker nicht daran hinderte, diese Stellen als Beweis für die Existenz von Hexen anzusehen und zu zitieren. Erste Verurteilungen von Hexen gibt es im 13. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Inquisition, die jedoch ihr Hauptaugenmerk nicht auf Hexen, sondern auf Ketzer richtete. Die Existenz von Teufel und Dämonen war jedoch theologisch akzeptiert : Thomas von Aquin, der über das Mittelalter hinaus maßgebliche katholische Theologe und Philosoph, schuf für ein verändertes „kirchliches“ Hexenbild die theoretische Grundlage. Nach seiner Auffassung schlossen die Menschen, wenn sie Hexen würden, mit dem Teufel einen Pakt, der bis zum sexuellen Verkehr reiche. Hexerei ist für die Kirche kein bedrohendes Vergehen wie die anderen mittelalterlichen Ketzereien. Dies wird deutlich in der Anweisung Papsts Alexander IV vom 20. Januar 1260 an die Inquisitoren, Hexen seien nicht aktiv zu verfolgen, sondern nur auf Anzeigen hin festzunehmen, festgelegt. Prozesse gegen Hexen sollten bei Zeitmangel zurückgestellt werden, die Bekämpfung von Ketzereien habe Vorrang. Die eigentliche europäische Hexenverfolgung fand in der Frühen Neuzeit vor allem in Mitteleuropa statt. Bei der europäischen Hexenverfolgung von 1450-1750 (Höhepunkt 1550-1650) handelte es sich nicht nur um eine kirchliche Aktion gegen „Ketzer“, sondern auch um ein europäisches Hysterie-Phänomen bezüglich Zauberei, das juristisch zur Straftat der Zauberei umgesetzt wurde und zu vielen Verdächtigungen, Denunziationen, offiziellen Massenprozessen und Hinrichtungen führte. Neuere Forschungen belegen, dass häufig ältere Frauen und sozial Benachteiligte der Hexerei verdächtigt wurden. Dabei genügten häufig Gerüchte oder Denunziationen, die häufig durch Folter erzwungen wurden.Von Seiten der Kirche gab es u. a. durch Johannes Brenz auch Kritik an der Hexenverfolgung.
( Teilweise aus www.wikipedia.de )
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Zu den Merkmalen einer Hexe gehören laut der Hexenlehre der frühneuzeitlichen Hexentheoretiker:
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Der Hexenflug auf Stöcken, Tieren, Dämonen oder mit Hilfe von Flugsalben.
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Treffen mit dem Teufel und anderen Hexen auf dem Hexensabbat.
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Der Pakt mit dem Teufel.
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Der Geschlechtsverkehr mit dem Teufel (in Gestalt von incubus und succubus, der so genannten Teufelsbuhlschaft) und...
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...der Schadenszauber. Diese fünf Merkmale bildeten ab etwa 1400 den elaborierten Hexencode.
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Von großer Bedeutung war dabei vor allem die Idee einer allgemeinen Hexenverschwörung. Hierfür wurde die Vorstellung des Hexensabbats herangezogen. Man glaubte hier einer orgiastischen Versammlung auf der Spur zu sein, bei der die Schwarze Messe den Höhepunkt bildete. Auf solchen Schwarzen Messen feierte die so genannte Synagoge (Kirche) des Satans eine Art verkehrten Gottesdienst, um Gott und seine Kirche zu lästern, zu verhöhnen. Man glaubte, dass die gesamte Existenz des Christentums durch diese „Hexensekte“ bedroht sei.Somit entstand ein vermischtes Neuverständnis der Hexen. Nicht mehr der Schaden, den die Hexen anrichten, war ihr entscheidendes Merkmal, sondern der Abfall vom Glauben und der damit verbundenen Zuwendung zum Teufel. Nunmehr bildeten sie eine geistliche Gefahr; die Kirche ging gegen ihre abtrünnigen Gläubigen, nach den Grundsätzen des Augustinus von Hippo, mit Zwang und Feuer für ihre Seelenrettung vor.
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Die Verfolgung von zu Hexen erklärten Frauen und Männern forderte in ganz Europa nach neueren Forschungen und umfangreichen Auswertungen der Gerichtsakten etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer. 80 % der Opfer waren Frauen. Dazu kam eine hohe Zahl weiterer zu Konfiskation und Haft Verurteilter. Insgesamt soll etwa drei Millionen Menschen der Prozess gemacht worden sein, etwa jeder Fünfzigste wurde hingerichtet. Die früher verbreiteten Zahlen von mehreren 100.000 Todesopfern stützen sich auf Schätzungen und das durch Literatur und Filme verbreitete Bild einer ungezügelten Hexenverfolgung.
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Eine ideologische Grundlage bzw. Handlungsanweisung für die Hexenverfolgung für die nach der Reformation katholischen Landesteile des Heiligen Römischen Reiches bildete der von dem Dominikaner Heinrich Institoris (Kramer) verfasste Malleus Maleficarum (1487), meist als Hexenhammer bezeichnet, das bekannteste einer Reihe von zeitgenössischen Handbüchern über Bekämpfung der Hexerei, die durch den Buchdruck weite Verbreitung fanden. Laien und Kleriker, die die Hexenjagd ablehnten, wurde im Hexenhammer zu Häretikern erklärt und mithin der Verfolgung preisgegeben: „Hairesis maxima est opera maleficarum non credere (Es ist die größte Häresie, nicht an das Wirken von Hexen zu glauben)“. Dabei erschien diese Lehre in den Büchern im Gewande einer leidenschaftslos-sachlichen scholastischen philosophischen Abhandlung. Inhaltlich war wenig neues im Hexenhammer zu finden, da Institoris hauptsächlich ältere Hexenliteratur zusammengefasst und neu angeordnet hatte.
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Die 1484 von Heinrich Institoris verfasste und von Papst Innozenz VIII unterzeichnete Bulle Summis desiderantes hatte nur in den katholisch bleibenden Gegenden dauerhaft Einfluss. Die Verfolgung von Hexen wurde von allen westlichen Kirchen bejaht und unterstützt. Nur die Ostkirchen blieben von dem Phänomen weitgehend verschont. Die regionale Verfolgungsstärke war höchst unterschiedlich; es gab hierbei Schwerpunkte wie z.B. das Rheinland und das Schweizer Wallis. Aber es gab auch andere Gegenden, in denen dagegen kaum Verfolgung stattfand.
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Die tatsächliche Verfolgung geschah jedoch, im Gegensatz zur Inquisition, durch weltliche Gerichte und in sehr vielen Fällen aufgrund von Denunziationen aus der Bevölkerung. Ein bekanntes Beispiel ist die Mutter von Johannes Kepler, die 1615 aufgrund eines Streites, von einer Nachbarin als Hexe bezeichnet wurde. Sie war über ein Jahr gefangen gesetzt, wurde mit der Folter bedroht, aber schließlich aufgrund der Bemühungen ihres Sohnes freigesprochen. Noch in der Zeit der Aufklärung gab es vereinzelt Hexenprozesse. In der Schweiz wurden in zwei Fällen sogar Gruppen von Kindern der Hexerei bezichtigt und einem Gericht vorgeführt. Erst nachdem Inquisitoren aus Rom intervenierten, wurden (beim ersten Prozess) die Kinder frei gelassen. Bei dem zweiten Hexenprozess wurden die Eltern vom weltlichen Gericht dazu gezwungen, entweder ihre Kinder ziehen zu lassen und eine Bescheinigung über ihren Tod vorzulegen oder ihre Kinder selbst zu vergiften. Es stellte sich heraus, dass viele Eltern tatsächlich ihren Kindern Gift verabreichten. Besonders während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wütete die Hexenverfolgung in Mitteleuropa. Der Krieg und die sogenannte kleine Eiszeit, die allmählich ihrem Höhepunkt entgegenstrebte, hatten die Felder verwüstet, die Häuser zerstört, die Bevölkerung dezimiert; Hunger und Seuchen forderten ihre Todesopfer. Gerade in dieser kriegerischen Zeit verdächtigten viele Leute angebliche „Hexen“ und lieferten sie an die weltlichen Gerichte aus. Als eine der letzten der Hexerei angeklagten Frauen wurde Anna Schnidenwind am 24. April 1751 in Endingen am Kaiserstuhl hingerichtet. Vermutlich fand die letzte Hexenhinrichtung 1756 in Landshut statt. In der Schweiz wurde die "letze Hexe", Anna Göldin, im Juni 1782 hingerichtet.
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Der Kampf gegen die Hexenverfolgung war langwierig. Vor dem Zeitalter der Aufklärung war der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld, Professor an der Universität Alma Ernestina in Rinteln, keinesfalls der einzige Autor, der die Hexenprozesse mit seiner Schrift Cautio criminalis angriff. Das Buch von Friedrich von Spee war die Antwort auf das Standardwerk zur Theorie der Hexenlehre seines Rintelner Professoren-Kollegen Hermann Goehausen Processus juridicus contra sagas et veneficos aus dem Jahre 1630. Anton Praetorius setzte sich 1597 in Birstein als fürstlicher Hofprediger für die Beendigung eines Hexenprozesses und Freilassung der Frauen ein. Der Pfarrer wetterte derart gegen die Folter, dass der Prozess beendet und die letzte noch lebende Gefangene freigelassen wurde. Dies ist der einzige überlieferte Fall, dass ein Geistlicher während eines Hexenprozesses erfolgreich die Beendigung der unmenschlichen Folter verlangte. In den Prozessakten heißt es: „weil der Pfarrer alhie hefftig dawieder gewesen, das man die Weiber peinigte alß ist es dißmahl deßhalben underlaßen worden.“ Als erster reformierter Pfarrer veröffentlichte Anton Praetorius unter dem Pseudonym seines Sohnes Johannes Scultetus 1598 das Buch Von Zauberey vnd Zauberern Gründlicher Bericht gegen Hexenwahn und unmenschliche Foltermethoden. 1602 fasste er in einer 2. Auflage des Gründlichen Berichtes den Mut, seinen eigenen Namen als Autor zu verwenden. 1613 erschien die dritte Auflage seines Berichtes über Zauberey und Zauberer mit einem persönlichen Vorwort. Die Hochnötige Unterthanige Wemütige Klage Der Frommen Unschültigen von Hermann Löher erschien zwar erst 1676 nach dem Ende der härtesten Verfolgungswelle, ist aber von Bedeutung, da der Autor in den 1620er und 1630er Jahren selbst als mehr oder weniger Freiwillger im Verfolgungsapparat mitgewirkt hatte und erst dadurch zum Verfolgungsgegner geworden war. Insofern bietet er eine Insiderperspektive auf den Prozessverlauf und die dahinterstehenden Machtverhältnisse, die sich bei den anderen Verfolgungsgegnern so nicht findet.
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Mehr über Anton Praetorius findet Ihr hier :
www.anton-praetorius.de
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